Dienstag, 9. April 2013

Danke, Korea

Auch die schönste Zeit geht irgendwann zu Ende. Nach etwas mehr als fünf Monaten in Südkorea hieß es schließlich Abschied nehmen von Seoul, von der koreanischen Kultur und Sprache, von der koreanischen Küche und von den vielen neuen Freunden und Kollegen. Natürlich wurde der Abschied gebührend gefeiert, beispielsweise mit einem Abend in einem japanischen Restaurant und in einer Karaoke-Bar, zusammen mit meinen Controlling-Kollegen. Es gab Grund und Gelegenheit genug, danke zu sagen. Danke für die erlebnisreiche Zeit mit wesentlich mehr Höhen als Tiefen, für die ausgesprochene Gastfreundschaft und Offenheit der Koreaner, für die Unterstützung in allen Fragen des Arbeitslebens, für die gemeinsamen Ausflüge und Unternehmungen, für die immerwährend offenen Ohren, für den hochinteressanten Gedankenaustausch über kulturelle Grenzen hinweg und für so vieles mehr.


Zusammen mit HyunYoung, DongHyun, SunYoung, Hashin, EunJu, Franziska, WonJu und Tommy im japanischen Restaurant

Templestay im Yongjusa

Auf der Liste der Dinge, die ich mir in Korea anschauen wollte, stand es schon lange und kurz vor meiner Abreise klappte es dann auch: Ich besuchte einen buddhistischen Tempel für einen zweitägigen Tempelaufenthalt, zusammen mit SunYoung. Wir hatten uns für einen Tempel entschieden, der in der Nähe Suwons und damit außerhalb Seouls lag, jedoch noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen war. Während nahezu alle Tempel Aufenthalte mit kurzen Einführungen in die buddhistischen Traditionen anbieten, gibt es nur wenige, die für englischsprachige Besucher offen stehen. Yongjusa, gegründet 854, ist ein solcher Tempel.


Der Tempeleingang

Montag, 8. April 2013

Seoraksan-Nationalpark

Der wohl bekannteste Nationalpark Südkoreas liegt an der Ostküste, etwa 200 Kilometer oder drei Autostunden von Seoul entfernt. Ich hatte schon lange mit dem Gedanken gespielt, dem Park einen Besuch abzustatten – wobei ich davon ausging, dass die Wandermöglichkeiten im Winter recht beschränkt sein würden. Dementsprechend hatte ich den Ausflug bis in den März aufgeschoben, um mit ein bisschen Glück ein frühes Frühlingswochenende mit gutem Wetter zu erwischen.

Ende März bekam ich Besuch von Franziska und Tommy, die für eine Woche Seoul unsicher machten. Da der Seoraksan-Ausflug noch immer offen war, starteten wir an einem Tag mit strahlendem Sonnenschein zusammen in den Osten der koreanischen Halbinsel. Die Fahrt verlief ruhig und ohne Staus, so dass wir schon gegen Mittag den Nationalpark erreichten. Wir legten die Wanderbekleidung an, passierten schnurstracks den Parkeingang und begannen unsere Wanderung in Richtung des Talendes. Dort, wo die steil aufragenden Felswände sich immer näher kamen, passierten wir einige Stromschnellen und Wasserfälle und stiegen in den sich den Berg hinauf schlängelnden Weg zum Gipfelgrat ein. Der wolkenlose Himmel, der sich noch am Taleingang über uns erstreckt hatte, hatte sich allerdings mittlerweile zugezogen; von der Sonne war nur hier und da noch etwas zu sehen. Mehr und mehr dunkle Wolken drängten in die Berge.


Eine große Buddha-Statue kurz hinter dem Parkeingang

Dienstag, 26. März 2013

Entdeckungen auf Jeju

Bei meinem ersten Besuch auf der südkoreanischen Insel Jeju hatte ich wenig Zeit für eigene Erkundungen, weil das Tagesprogramm durch den dort stattfindenden Workshop bestimmt worden war. Da schon die ersten Inseleindrücke Lust auf mehr (und Meer) gemacht hatten, ließ ich am vergangenen Wochenende zusammen mit einer koreanischen Freundin einen weiteren Inseltrip folgen. Die Reisezeit Mitte März bedeutete, dass Jeju nur wenig besucht war, es viele freie Unterkünfte gab und sich die Besucherströme an den Hauptattraktionen im Rahmen hielten.

Wir ließen uns an diesem Wochenende treiben, besuchten den Westen, Süden und Osten der Insel und hielten an, wann immer es uns irgendwo gefiel oder wir etwas entdeckten, das uns interessierte. Der erste Tag war unser Anreisetag, und das Wetter war herrlich, so dass sogar die Sonnencreme ausgepackt werden musste. Wir starteten mit einem koreanischen Mittagessen und etwas Makgeolli, bevor wir einem Olle-Trail einen Besuch abstatteten, der sich malerisch an der Küste entlang schlängelte. Ein nahegelegener Krater, auf der Vulkaninsel Jeju keine Seltenheit, lud zu einem Abstecher ein. Der schweißtreibende, wenn auch kurze Aufstieg wurde mit einem tollen Blick über das tiefblaue Meer belohnt.

Sonntag, 24. März 2013

Kyoto-Protokoll

Der Versuch, Kyoto mit seiner Geschichte und seinem kulturellen Vermächtnis in ein paar Zeilen abzuhandeln, kann der Stadt nicht gerecht werden. Denn Kyoto, das über die viele Jahrhunderte die japanische Hauptstadt war, ist ein lebendiges Museum. Wer auf den Spuren des traditionellen Japans wandern will, ist in Kyoto also genau richtig. Nur eine gute Flugstunde von Seoul entfernt, bot sich ein Wochenendausflug für mich geradezu an. Von Vorteil war, dass die Kirschblüte und damit auch die touristische Hochsaison in Kyoto noch nicht begonnen hatten. Damit waren einerseits Hotelzimmer zu erschwinglichen Preisen verfügbar, andererseits waren Stadt, Parks und Tempel noch nicht vollständig überlaufen, so dass die ursprüngliche Atmosphäre gut zu erleben war.

Mein Lager aufgeschlagen hatte ich in einem kleinen Hotel im Viertel Higashiyama. Kleine Gassen mit traditionellen Holzhäusern, Handwerksläden, Restaurants und Cafés luden in der direkten Umgebung zum Spazieren und Schauen ein. Hinter jeder Ecke gab es Neues und Überraschendes zu entdecken. Ein Tempel reihte sich an den nächsten, hübsche japanische Gärten schlossen sich an, Schreine versteckten sich hinter Holzpforten. Angesichts der Vielzahl an Sehenswürdigkeiten musste ich mich auf meiner Entdeckungstour durch Kyoto notgedrungen auf den Besuch einiger weniger historischer Stätten beschränken. Nachfolgend findet sich eine kleine Auswahl meiner Erlebnisse.

Montag, 11. März 2013

Hongkong zum Dritten

Der lange Abend auf dem Victoria Peak ließ mich an meinem dritten Tag in Hongkong etwas länger in den Federn verweilen. Als ich mich schließlich auf den Weg zum taoistischen Wong Tai Sin-Tempel machte, ging der Vormittag bereits dem Ende entgegen. Ich kam dort gerade noch rechtzeitig vor dem großen Besucheransturm an, wie ich später feststellte. Obwohl erst 1921 erbaut, ist der Wong Tai Sin-Tempel heute der bekannteste Tempel Hongkongs und vielen Chinesen ein Begriff. Viele Besucher kommen hierhin, um Räucherstäbchen anzuzünden, vor dem Altar zu beten und Wahrsager die Zukunft vorhersagen zu lassen. Besonders beliebt ist der Tempel zum chinesischen Neujahrsfest – und dieses lag bei meinem Aufenthalt in Hongkong gerade erst zwei Wochen zurück. Viele Nachzügler nutzten also den freien Sonntag, um zum Tempel zu pilgern, und ich befand mich mittendrin.


Vor dem Wong Tai Sin-Tempel

Mittwoch, 6. März 2013

Victoria Peak

Es war strahlender Sonnenschein vorhergesagt und so sprang ich an meinem zweiten Tag in Hongkong schon früh aus den Federn. Mein Ziel war der Victoria Peak, jener 552 Meter hohe Gipfel, der sich in Central direkt hinter den Wolkenkratzern in den Himmel reckt. Seit 1888 lässt es sich bequem mit der sogenannten Peak Tram auf den Gipfel fahren, die ebenfalls eine der beliebtesten Attraktionen Hongkongs darstellt. Innerhalb weniger Minuten bringt diese Bahn den Besucher von der Innenstadt hinauf in luftige Höhen – sofern die Schlange der wartenden Touristen nicht zu lang ist. Da ich bereits früh auf den Beinen war, blieben mir lange Wartezeiten glücklicherweise erspart. Stattdessen spazierte ich direkt auf den Bahnsteig und nahm im historischen Waggon Platz. Die Strecke zum Gipfel, die ein durchschnittliches Gefälle von 51% aufweist, führte durch tropische Gärten und Parks und bot erste spektakuläre Ausblicke auf das kleiner werdende Häusermeer.


Mit der Peak Tram hinauf zum Gipfel

Samstag, 2. März 2013

Auf den Spuren Jackie Chans

Bis 1997 war Hongkong eine britische Kronkolonie, eine Enklave, umgeben von Wasser und chinesischem Festland. Obwohl die Rückgabe an China vor nun mehr als fünfzehn Jahren erfolgte, ist die Stadt als Sonderverwaltungszone noch immer mit umfangreichen Sonderrechten ausgestattet – und dies soll auch mindestens bis 2047 so bleiben. Hongkong hat seine eigene Verwaltung, erlässt Gesetze, darf Zölle erheben und hat mit dem Hongkong-Dollar eine eigene Währung. Außerdem erlaubt Hongkong Europäern, ohne gesondertes Visum für bis zu 90 Tage einzureisen. Ich brauchte also in Seoul kein Visum für das chinesische Festland zu beantragen und konnte dennoch nach China einreisen. Somit stand Hongkong für mich als Reiseziel fest und am vergangenen Wochenende ging es endlich los.

Wie ich der Wettervorhersage entnommen hatte, sollte mir Petrus hold sein. Es waren für den Samstag und den Sonntag jeweils 23 Grad Höchsttemperatur und Sonnenschein vorhergesagt – und so sollte es auch kommen. Nachdem ich am Freitagabend gelandet war und meinen Weg ins Hotel gefunden hatte, ging ich auf einen ersten Erkundungsausflug. Der Stadtteil Kowloon, in dem mein Hotel lag, liegt am südlichen Ende der Halbinsel, auf der sich ein Teil Hongkongs erstreckt. Der Halbinsel direkt gegenüber liegt auf einer weiteren Insel der Stadtteil Central, wo jene Wolkenkratzer stehen, die Hongkongs unvergessliche Skyline prägen. Mein Abendspaziergang führte mich also ans Südende Kowloons, von wo aus ich den Blick übers Wasser hinüber zu den Giganten aus Stahl und Beton schweifen lassen konnte. Der Anblick der illuminierten Silhouette wird wahrscheinlich jeden Besucher in Staunen versetzen – ich bildete da keine Ausnahme! Was für eine grandiose Aussicht! Pünktlich um 20 Uhr begann über den Wolkenkratzern auch noch die tägliche Lasershow, die für fünfzehn Minuten ein Spiel aus Farben und Licht über das Häusermeer zauberte. Ich suchte mir ein ruhiges Plätzchen und genoss das fantastische Schauspiel.


Flanieren im Angesicht der Giganten

Dienstag, 26. Februar 2013

Gonjiam bei Nacht: Wieder auf der Piste

Das koreanische Leben ist intensiv und Zeit ist knapp. Die Skigebiete in der Umgebung Seouls öffnen deshalb bereits morgens um 7 Uhr und schließen erst einundzwanzig Stunden später, nämlich um 4 Uhr morgens. Wer Lust und Zeit hat, kann also fast die ganze Nacht hindurch auf Skiern oder auf dem Snowboard die von riesigen Scheinwerfern beleuchteten Pisten unsicher machen. Das bringt nicht nur ein bisschen Bewegung in den Winteralltag, es erlaubt auch, die langen Liftwartezeiten an den Wochenenden zu umgehen.

Zusammen mit Rolf fuhr ich also an einem Abend nach getaner Arbeit ins eine Stunde entfernte Gonjiam. Es war ein kalter Winterabend und wir hatten gut daran getan, unsere warmen Skisachen mitzubringen. Wir statteten uns mit der notwendigen Leihausrüstung aus und starteten dann auf die lichtüberfluteten Pisten, die kurz zuvor frisch präpariert worden waren und beste Schneebedingungen boten. Tatsächlich waren an diesem Abend nur sehr wenige Skifahrer und Boarder unterwegs, so dass es ein Genuss war, ins Tal zu wedeln. Mit den ungewohnten Lichtverhältnissen kamen wir schnell zurecht, die Koreaner hatten beim Ausleuchten ganze Arbeit geleistet – der Unterschied zu einer Fahrt bei Sonnenschein war marginal.

Montag, 25. Februar 2013

The Berlin File

Seit einigen Wochen läuft in Seouls Kinos ein koreanischer Film namens 베를린(in lateinischen Buchstaben BERLIN, im offiziellen englischen Titel „The Berlin File“), der gewaltig Furore macht. Mit bekannten südkoreanischen Schauspielern ausgezeichnet besetzt und in Berlin gedreht, gehört die Produktion zu den teuersten koreanischen Filmen überhaupt.

Erzählt wird die Geschichte von zwei Agenten, einem aus Nord- und einem aus Südkorea, die in Berlin stationiert sind. Ein fingierter Waffenhandel zwischen Nordkorea und Russland scheitert durch einen Schusswechsel, kurz bevor der Abschluss zustande kommt. Andere Geheimdienste, die die Verhandlungen beobachtet haben, sind schockiert und auch dem überraschten nordkoreanischen Agenten, der sich in der Nähe des Verhandlungsorts aufhielt, bleibt nichts anderes übrig, als sich zurückzuziehen. Nordkorea nimmt den Zwischenfall zum Anlass, seine Auslandsvertretung in Berlin unter die Lupe zu nehmen - und schnell stellt sich heraus, dass es offensichtlich ein Informationsleck gibt. Sowohl der nordkoreanische Botschafter als auch die Frau des Agenten, die für staatliche Organisationen als Dolmetscherin arbeitet, geraten unter Verdacht. Schon bald tauchen in Berlin weitere entsandte Spitzel auf, die vermuten lassen, dass auch der Agent selbst ins Visier der nordkoreanischen Elite geraten ist. Von der eigenen Unschuld und den guten Absichten der Vorgesetzten überzeugt, flieht er zusammen mit seiner Frau quer durch Berlin, um Beweise für die eigene Unschuld zu liefern. Es wird geschossen und geprügelt, bis es letztlich zum großen Finale kommt, in dem nicht nur die Nordkoreaner, sondern auch der Mossad und die Südkoreaner mitmischen.

Donnerstag, 21. Februar 2013

National Gugak Center

Auch wenn das chinesische Neujahr ein Fest ist, das hauptsächlich in der Familie gefeiert wird, so wird es doch auch als Anlass für einige öffentliche Veranstaltungen genommen. Das National Gugak Center ist eine Institution, die es sich zum Ziel gemacht hat, traditionelle koreanische Musik zu erhalten und zu fördern. Zum chinesischen Neujahr gab es eine Veranstaltungsreihe, die unter dem Titel „Feiern wir das Neue Jahr“ lief. Ich hatte mit SunYoungs Hilfe eine Eintrittskarte ergattert, nachdem ich am Vortag im leeren Skigebiet unterwegs gewesen war.


Vorstellung im National Gugak Center

Montag, 18. Februar 2013

Phoenix Park

Auf den Tag mit strahlendem Sonnenschein folgte eine eiskalte Nacht. Als wir morgens ins Auto stiegen, zeigte das Thermometer -18°C an. Wir hatten uns entschlossen, unseren zweiten Tag in einem anderen Skigebiet zu verbringen, nämlich im etwa 50 km entfernten Phoenix Park, der 2018 Austragungsort der olympischen Freestyle-Ski- und der Snowboard-Wettbewerbe sein wird. Kurz nach acht rollten wir auf den Parkplatz, kauften unsere Tagestickets und liehen das notwendige Equipment aus. Wenige Minuten später schwebten wir mit der Gondelbahn hinauf zum höchsten Punkt des Skigebiets, dem Mont Blanc.


Abfahrt ins Glück

Sonntag, 17. Februar 2013

Dabei sein ist alles

In fünf Jahren wird die Welt zu Gast sein in Südkorea. Denn dann finden in Pyeongchang die Olympischen Winterspiele 2018 statt. Zweimal hatte sich der Wintersportort erfolglos für die Spiele beworben, bevor das Durchhaltevermögen letztlich belohnt wurde. Grund genug für mich, eine Reise in den Osten Koreas zu unternehmen und die Skigebiete um Pyeongchang auf eigene Faust zu erkunden. Zusammen mit DongHyun startete ich deshalb am frühen Morgen des vergangenen Freitags ins 200 km entfernte Skisportzentrum Koreas.

Für den ersten Tag unseres Ausflugs hatten wir uns das Skigebiet von Yongpyeong ausgesucht, das älteste Skigebiet Koreas. In den 70er Jahren eröffnet, zählt es auch heute noch zu den beliebtesten Ausflugszielen von Skifahrern und Snowboardern. Verkehrslage und Wetter waren uns gut gesinnt und so standen wir drei Stunden, nachdem wir von Seoul aus gestartet waren, bei strahlendem Sonnenschein auf der Piste. Für DongHyun war es nach fünf Jahren Abstinenz vom Snowboarden eine Rückkehr auf bekanntes Terrain. Mit der Gondelbahn fuhren wir zunächst auf den höchstgelegenen Punkt des Skigebiets, den Dragon Peak (1.485 m), um festzustellen, dass es dort fast ausschließlich Pisten des höchsten Schwierigkeitsgrades gibt. DongHyun war nicht so recht überzeugt, dass das für ihn der richtige Wiedereinstieg wäre und fuhr über die einfache Talabfahrt direkt zurück zu unserem Ausgangspunkt. Ich ließ es mir nicht nehmen, zumindest eine Abfahrt auf der Rückseite des Berges zu machen. Die Pisten stellten sich als durchaus steil und eisig heraus, was für mich als Skifahrer kein Problem darstellte, für meinen boardenden Begleiter allerdings ein zweifelhaftes Vergnügen gewesen wäre. Zusammen mit einigen anderen Skifahrern jagte ich also bei schönstem Sonnenschein der Talstation des Sessellifts entgegen, um von dort wieder hinauf auf den Dragon Peak zu fahren und anschließend DongHyun ins Tal zu folgen.


Abfahrt vom Dragon Peak - Nichts für schwache Nerven, aber ein tolles Panorama

Montag, 11. Februar 2013

Konjiam – Dem Himmel so nah

Der Skiausflug nach Jisan sollte nur der Anfang sein. An diesem Wochenende stand mit dem chinesischen Neujahrsfest einer der bedeutendsten Feiertage in Korea auf dem Programm, von der Bedeutung her zu vergleichen mit dem Weihnachtsfest in Europa. Familien kommen zusam¬men und genießen ein paar gemeinsame Tage bei gutem Essen und in vertrauter Runde. Halb Korea ist deshalb vor den Feiertagen auf den Beinen, um in die Heimat zu fahren – und zum Neujahrsfest selbst ist es in Seoul ungewöhnlich leer und ruhig. Sogar die Geschäfte schließen für einige Stunden. Da ich wusste, dass nur wenige Koreaner aus dem Haus gehen würden, setzte ich mich also frühmorgens ins Auto und fuhr ins eine Stunde entfernte Konjiam, in ein Ski Resort, das erst vor wenigen Jahren eröffnet worden ist. Einer meiner Kollegen, DongHyun, hatte mir dieses Skigebiet empfohlen.

In den Bergen angekommen erwartete mich dieses Mal keine Rabattkarte. Die Liftpreise und die Ausrüstung waren wesentlich teurer als noch in Jisan, für sechs Stunden Spaß im Schnee musste ich 100.000 Won, umgerechnet etwa 70 Euro, berappen. Dafür war schon der Check-in hinsichtlich des Ablaufs perfekt ausgetüftelt, es dauerte keine drei Minuten und ich stand in voller Montur im Schnee, zog meinen Skipass am Lesegerät vorbei und trat durch das Drehkreuz auf die Piste.

Sonntag, 10. Februar 2013

Skisaison eröffnet

Die Umgebung von Seoul ist von Bergen geprägt und da ich aus eigener Erfahrung berichten kann, dass der Winter hier mit Kälte und viel Schnee verbunden ist, können die nächsten Skigebiete nicht weit sein. Für alle, die im Südosten der Stadt wohnen, liegen die nächsten Pisten nur 30 km oder etwa eine halbe Autostunde entfernt. Für mich ist es etwas weiter, da ich im Nordwesten wohne, aber bei guten Verkehrsbedingungen kann auch ich die Resorts in etwa eineinhalb Stunden erreichen.

Am vergangenen Dienstag habe ich mich also auf den Weg gemacht, ein erstes Skigebiet zu erkunden, das mir von HyunYoung empfohlen worden war: Jisan (지산). Nachdem ich mich erfolgreich durch den morgendlichen Berufsverkehr in Seoul gequält hatte, stellte ich mein Auto auf dem großen leeren Parkplatz ab und ging zu den Kassen hinüber, wo ich direkt eine „Happy Card“ verpasst bekam, die mir sowohl auf Liftpreise als auch auf Materialausleihe einen satten Rabatt von mehr als 30% bescherte. Für die Tageskarte inklusive Ausrüstung bezahlte ich so nur 60.000 Won, umgerechnet etwa 40 Euro. Ich schlüpfte in die Skischuhe und stiefelte zur Piste, wo ich die Ski anschnallte und direkt die erste Bergfahrt in Angriff nahm. Die fünf Lifte des kleinen Resorts sind allesamt Sessellifte für vier bis sechs Personen, die Skifahrer und Snowboarder an verschiedene Startpunkte auf dem gleichen Berghang bringen.


Das kleine, direkt vor den Toren Seouls gelegene Skigebiet Jisan

Samstag, 9. Februar 2013

Ganghwa-do, die Zweite

Im November hatte ich der vor der Mündung des Han-Flusses gelegenen Insel Ganghwa einen ersten Besuch abgestattet und war auf meiner Erkundungstour entlang der Südküste auf unzählige Festungen und einen Strand gestoßen. Bei winterlichen Temperaturen machte ich mich am vergangenen Sonntag erneut dorthin auf, um jene Ecken zu besuchen, in die ich es beim ersten Mal nicht geschafft hatte.

Die Bewölkung und die Temperaturen unterhalb des Gefrierpunktes ließen mich hoffen, dass die Insel wenig besucht sein würde – und so kam es auch. Nachdem ich nach einer Stunde Fahrt die Brücke überquert hatte, die Festland und Insel verbindet, lagen verlassene Landstraßen vor mir. Mein erstes Ziel des Tages waren einige Überreste der Besiedlung der Insel in der Bronzezeit vor etwa 3.000 Jahren. Zu bestaunen sind vor allem die Grabanlagen aus der damaligen Zeit, die von der UNESCO augrund ihrer einmalig hohen Anzahl und Dichte zum Weltkulturerbe ernannt wurden. Auf Ganghwa finden sich heute über die Insel verstreut noch einige Dutzend dieser Hünengräber, die aus gewaltigen, übereinander geschichteten Steinbrocken bestehen. An der bedeutendsten Stätte wurde ein kleiner Museumspark errichtet, der neben einem historischen Museum auch Nachbauten von Hütten aus der Bronzezeit umfasst. Über dieses Gelände schlenderte ich nach meiner Ankunft, während mir ein kalter Wind ins Gesicht blies. Im eisigen Winter in einer der gezeigten Strohhütten hausen zu müssen, war sicherlich sehr unangenehm. Die Überreste des Hünengrabs hingegen ließen mich das Winterwetter vergessen – zu gewaltig die Ausmaße, zu unvorstellbar die Leistung, die tonnenschweren Gesteinsbrocken an diesen Ort zu schaffen und aufzurichten.

Dienstag, 5. Februar 2013

Doppelter Toeloop

Schlittschuhfahren gehört zu den Sportarten, die sich in Korea größter Beliebtheit erfreuen und eine lange Tradition aufweisen können. Angesichts der kalten Winter hier überrascht das wenig. Von kleinen Eisflächen auf Plätzen bis hin zu riesigen Hallen mit Eisbahnen gibt es hier alles. Ich habe in der vergangenen Woche erst einmal klein angefangen – auf der Schlittschuhbahn direkt vor dem Rathaus. Jeden Winter wird dort eine kleine Eisfläche hingezaubert, auf der sich am Wochenende halb Seoul versammelt. Wobei einschränkend zu erwähnen ist, dass nur Zutritt bekommt, wer eine der hoch begehrten Eintrittskarten ergattern konnte.


Schlittschuhlaufen vor Seouls Rathaus bei Tageslicht

Samstag, 2. Februar 2013

K2 Climbing Center

Gesucht, gefunden. Die Suche nach einem Kletterpartner für eine der großen Kletterhallen gestaltete sich schwierig, war aber letztlich erfolgreich. Zusammen mit SungRan, einer Freundin von SunYoung, zog ich am vergangenen Samstag zum K2 Climbing Center, im Südosten der Stadt, in der Nähe der Konkuk-Universität gelegen. Das Center hat den Ruf, die beste Kletterhalle Seouls zu sein – gleichzeitig allerdings auch die teuerste. Die meisten kleinen Kletterhallen verlangen 10.000 bis 15.000 Won Eintritt, im K2 Climbing Center sind hingegen 30.000 Won (also etwa 20 Euro) fällig.

Für diesen Preis bekommt man hinsichtlich der Kletterwände ein Niveau geboten, das mit denen in deutschen Kletterhallen vergleichbar ist. Es gibt eine große Halle, die mit einer Höhe von 12 Metern sowohl Vorstiegs- als auch Toprope-Routen bietet, wobei erstere deutlich in der Überzahl sind. Der Schwierigkeitsgrad ist insgesamt gehoben, für Anfänger gibt es nur wenige Routen. Ich kletterte eine Route im Vorstieg und mehrere im Toprope und genoss es, nach mehreren Wochen Kletterpause wieder einmal Höhenluft zu schnuppern. Besonders beeindruckend war es, einigen Profikletterern zuzuschauen, die sich in Routen an der Decke wagten. Es handelte sich nicht - wie sonst in Kletterhallen anzutreffen - um einen Überhang, stattdessen ging die Wand im zweiten Teil der Route direkt in die waagerechte Decke über. Unglaublich, wie einer der Kletterer dort oben in Seelenruhe sein Seil in die Expresskarabiner einhängte und kreuz und quer über die Decke huschte. Als gäbe es keine Erdanziehungskraft, wirklich beeindruckend! Wer selbst einmal einem Überhang geklettert hat, wird nachvollziehen können, weshalb mir beim Zusehen der Mund offen stehen blieb.


Vorstiegsrouten im K2 Climbing Center - Kein Zuckerschlecken!

Sonntag, 27. Januar 2013

Jeju-do

100 km südlich der koreanischen Halbinsel erhebt sich eine Vulkaninsel aus dem Ostchinesischen Meer, deren Name die Herzen der Koreaner höher schlagen lässt: Jeju. In der vergangenen Woche wurde dort für unseren größten Geschäftsbereich der Startschuss für ein erfolgreiches Geschäftsjahr gegeben. Zusammen mit mehr als 100 Kollegen flog ich also am Mittwochmorgen für drei Tage auf die etwa eine Flugstunde entfernte Insel. Jeju weist ein subtropisches Klima auf und ist im Sommer bei Urlaubern aus Korea und den umliegenden Ländern sehr beliebt. Obwohl das Klima milder ist als beispielsweise in Seoul, wird es im Winter doch recht kühl. Die Durchschnittstemperaturen liegen im Januar und Februar nur knapp über Null Grad. Die großen, das gesamte Jahr über geöffneten Hotelanlagen vermieten ihre Zimmer in diesem Zeitraum deshalb zu günstigen Preisen beispielsweise an Unternehmen oder an Kongressveranstalter.

Von vielen Seiten war ich bereits im Vorfeld unserer Reise darauf hingewiesen worden, dass ich auf Jeju ein ganz anderes Korea kennenlernen würde. Und tatsächlich erwarteten uns bei unserer Ankunft am Flughafen auch Palmen, die dem Wind und den etwa 6°C Lufttemperatur trotzten. Über riesige, wenig befahrene Straßen, die erahnen lassen, wie es im Sommer auf der Insel zugeht, fuhren wir mit dem Bus zum Hotel und bezogen unsere Zimmer. Die ersten Stunden unseres Aufenthalts waren von Begrüßungs- und Eröffnungsreden geprägt, es gab einen Rückblick auf das vergangene Jahr und einen Ausblick auf die vor uns liegenden Monate und Herausforderungen. Am Abend nahmen alle Mitarbeiter an einem Bankett teil, dem einige kleine Spielchen zur Auflockerung der Atmosphäre vorausgingen. Auf mehreren Zimmern wurde der Abend noch mit einer kleinen Feier versüßt.

Sonntag, 20. Januar 2013

Climbing Gyms – Ausflug in die Vertikale

Den Freunden des gepflegten Kletterns treibt bereits der Titel ein Leuchten in die Augen. Wie der Bergsport allgemein hat auch das Sportklettern in Südkorea sehr viele Anhänger. Wer Google bemüht und sich durch die koreanischsprachigen Ergebnisse klickt, wird sehen, dass es in Seoul eine große Anzahl an Kletterhallen gibt. Die meist privaten Eigner der Hallen bezeichnen ihre Sportstätten häufig als „Climbing Gyms“ und soweit ich es bisher beurteilen kann, trifft es der Begriff „Kletter-Fitness-Studio“ auch ganz gut. Größtenteils handelt es sich dabei nämlich um ausgebaute Kellerräume mit eingezogenen Boulderwänden, an denen sich nach Lust und Laune bouldern lässt.

Nur eine U-Bahnstation entfernt von meiner Wohnung, in der Nähe der Hongik-Universität, gibt es eine kleine Halle, in der ich schon mehrfach zu Gast war: AstroMan Rock Gym. Der Eintritt kostet 15.000 Won, also etwa 11 € - für eine kleine Boulderhalle ein recht stolzer Preis. Es gibt senkrechte Wände, ebenso wie Überhänge, nur das System der Routen habe ich bisher noch nicht durchschaut. Grundsätzlich hat es den Anschein, als ob Griffe und Tritte in beliebiger Abfolge an die Wand geschraubt worden sind. Die sonst übliche Markierung von Routen mit Hilfe von Farben ist hier nicht anzutreffen. Es gibt keine freien Schraublöcher, so dass alle Wände rundum von Griffen und Tritten nur so strotzen. Dem Kletterer ist es nun also freigestellt, einfach drauf loszuklettern (was einige Besucher machen, was aber angesichts der vielen Möglichkeiten zum Greifen und Treten wenig herausfordernd ist) oder aber die Route selbst zu definieren, daran zu arbeiten und schließlich das selbstgestellte Problem zu lösen. Letzteres ist gerade für Anfänger schwierig, da es voraussetzt, dass man abschätzen kann, welcher Zug aus der Bewegung heraus auf den vorhergehenden folgen muss oder welcher Griff oder Tritt gerade noch zu erreichen ist.

Donnerstag, 17. Januar 2013

Bukhansan-Nationalpark im Schnee

Der Januar ist in Seoul der kälteste Monat des Jahres, die Durchschnittstemperatur beträgt -2,5°C und liegt damit noch etwa 3° C unter der Durchschnittstemperatur in Berlin. Das hat zur Folge, dass der alle paar Tage fallende Schnee zum Großteil liegen bleibt und das Umland der Metropole in ein zauberhaftes Weiß taucht. Am Wochenende nahm ich das winterliche Wetter zum Anlass, um dem Bukhansan-Nationalpark einen weiteren Besuch abzustatten. Bei meinem ersten Ausflug dorthin im Herbst hatte ich sowohl die bunten Laubbäume als auch die Menschenscharen bewundert, und so war ich gespannt, was mich diesmal erwarten sollte.

Für die Anfahrt zum Park wählte ich eine andere Route als im Oktober, als ich mit U-Bahn und Bus zum östlichen Eingang gefahren war. Mit dem Auto ging es von meiner Wohnung aus etwa eine halbe Stunde nach Norden, wo sich einer der auf der Westseite gelegenen Eingänge befindet. Ich stellte mein Auto ab und machte mich zu Fuß auf die letzten Meter zum Parkeingang. Angesichts der Menschenmassen, die sich mit mir auf den Weg gemacht hatten, ahnte ich bereits Schlimmes. Wie schon auf der Ostseite des Parks hatten sich außerdem auch hier diverse Outdoor-Ausstatter mit ihren Läden niedergelassen. Alle großen Namen, sowohl nationale als auch internationale, waren vertreten. Und die Ausstattung der Wanderer um mich herum ließ vermuten, dass die Geschäfte prächtig laufen. Aktueller Clou waren angesichts des Winterwetters offensichtlich Leichtsteigeisen und Spikes. Wem dieser Teil der Ausstattung noch fehlte, der hatte an den aufgebauten Ständen und in den Läden genügend Möglichkeiten, nachzurüsten.


Der Berg ruft!

Mittwoch, 16. Januar 2013

Willkommen zurück!

Mein Rückflug nach Deutschland kurz vor Weihnachten gestaltete sich schwieriger als zuvor angenommen. Sowohl in Seoul als auch in Helsinki, wo ich laut Flugplan eine Zwischenlandung einlegen sollte, schneite es. Es gab Verspätungen an allen Ecken. Finnair buchte mich kurzfristig auf eine Korean Air-Maschine nach Frankfurt um, die zwar nicht wesentlich früher als die Finnair-Maschine abhob, allerdings hatte ich in Frankfurt noch die Chance, einen Weiterflug nach Berlin zu erreichen. In Helsinki wäre ich gestrandet gewesen und hätte erst am nächsten Morgen weiterfliegen können. Mit der letzten Maschine aus Frankfurt schaffte ich es letztlich in die deutsche Hauptstadt – und war bei Ankunft schon seit 24 Stunden auf den Beinen.